Warum hilft eine Therapie überhaupt

Was hilft in einer Therapie dem Patienten? Eine auf den ersten Blick nicht immer einfach zu beantwortende Frage.
Therapeutische Veränderung ist therapieschulenübergreifend beschrieben ein außerordentlich komplexer Vorgang, der durch ein
verwickeltes Zusammenspiel verschiedener menschlicher Erfahrungen zustande kommt, die man auch „therapeutische
Faktoren” nennen kann.
Für die psychotherapeutische Gruppentherapie lassen sich ohne Anspruch auf Vollständigkeit folgende therapeutische Faktoren
benennen:
•  Einflößen von Hoffnung
•  Konkretes Üben von Verhaltensänderungen
(Interpersonales Lernen, Verhaltensänderungen im sozialen Feld der Gruppe)
•  Förderung von Einsicht
•  Selbstöffnung, Mitteilung Scham-öder Schuld besetzter privater oder intime Einzelheiten vor anderen Menschen
•  Feedback durch die Gruppe und denTherapeuten (Interpersonales Lernen – Input)
•  Entwicklung eines Verständnisses und Erfahren der Universalität des Leidens (Erlebnis des Nichtalleinseins mit den eigenen Problemen und Schwierigkeiten)
•  Konkrete Anleitungen zur Lebenshilfe, Anleitung, Ratschläge, Hilfestellungen,Anweisungen, Hausaufgaben, etc.
•  Identifikation z.B. mit Mitgliedern oder Haltungen innerhalb der Gruppe
•  Rekapitulation der Primärfamilie (unbewusste Wiederholung des Erlebens oder Reinszenierung früherer Familienstrukturen in der Gruppe)
•  Innere Katharsis (emotionale Affektabfuhr durch dynamische Gruppenprozesse gefördert)
•  Kohäsion (Wahrnehmen und Steigerung des Zusammengehörigkeitsgefühls, Zusammenhalt der Gruppe, Zugehörigkeit- und Akzeptanzgefühl)
• Verständnis und Erfahren von existenzieilen Faktoren wie Endlichkeit des Lebens (durch Krankheit und Tod), Isolation (Trennung, Verlust, aber auch allgemein durch Begrenzungen der menschlichen Kommunikation), Offenheit des Lebenslaufs (zunächst ohne festgelegten Sinn, Erfahrung von Sinnlosigkeit) und Freiheit („Verdammt sein zur Freiheit, d.h. wir müssen uns entscheiden”)
•  Üben und Erfahren von Altruismus (anderen Hilfen geben)
Ein förderliches Klima und eine hinreichende Gruppenkohäsion werden durch eine von Aufmerksamkeit, Interesse, Neugier, Respekt und Zuwendung geprägte therapeutische Haltung des Leiters geschaffen. Von den Gruppenmitgliedern wird eine Bereitschaft zur Selbstöffnung erwartet. Dabei wird größter Wert auf die Beachtung der Regeln der Höflichkeit, der Menschlichkeit und des Sicherheitsgefühls in der Gruppe gelegt. Das Gefühl, in einer Gruppe nicht isoliert und allein zu sein, sondern dazuzugehören, wirkt kohäsionsfördernd. Ebenso wirksam sind die Erfahrung, etwas Wertvoiles an Andere weitergeben zu können (Altruismus) sowie das Gefühl von Hoffnung auf Veränderung, wenn Veränderungen sich einstellen und der Gruppe mitgeteilt werden.
Im Bereich der Psychotherapie ist eine Indikationsstellung eine Aussage darüber, ob eine gegebene psychotherapeutische Behandlung bei einer bestimmten Person mit einer bestimmten psychischen oder psychosomatischen Störung helfen kann oder nicht.
Der wichtigste Indikator ist zugleich auch der scheinbar unspezifischste, da jede Form von Psychotherapie ihn als Voraussetzung nennt: die Motivation des Patienten. Es ist korrekter, von der Notwendigkeit einer ausreichenden Motivation des Patienten für eine bestimmte Form von Psychotherapie zu sprechen. Diese Motivation sollte sich auf die gruppenspezifischen Ziele richten. Neben den störungsspezifischen Zielen (Reduktion von Depression, Ängsten, etc.) hat Psychotherapie in Gruppen immer ähnliche immanente Ziele:
1.  Entwicklung einer gewissen Nähe der Teilnehmer zueinander und Vertrautheit   untereinander,
2.  Entwicklung eines introspektiven und selbstreflexiven Umgangs mit sich selbst.
3.  Entwicklung eines verstehenden Umgangs mit den anderen Gruppenteilnehmern.
4. Entwicklung von interpersonaler Aufrichtigkeit.

Leave a Comment

Previous post:

Next post: